Dienstag, 28. März 2017

Ein Schlag ins Gesicht

Frühlingssonnenschein, Familie Mensch auf dem buntesten und größten und überfülltesten Großstadtspielplatz im hippen Stadtteil-Nord. Ihr wisst schon: Helikoptermamas in der Sandkiste, links der Bio-Bäcker, rechts der Eiswagen, "Bahn frei Kartoffelbrei", Barfußkinder vs. Regenhosen, mit dem Laufrad wird`s eng im Gewusel und ab Punkt 17.30 wird das mit Namen beschriftete Sandspielzeug eingesammelt. So ein Ort, an dem ich mich so semi-wohl fühle, aber man könnte ja Freunde treffen und ach, irgendwie bin ich auch zu faul eine andere Entscheidung zu treffen und die Bank dort ist optimal zur Sonne ausgerichtet.

Wie wird man in all dem Gewusel zum Gesprächsthema Nummer 1?

Ganz einfach: Man lässt sich von seinem Kind eine Ohrfeige geben und zeigt keine Reaktion. Richtig: Die Frau hat den Schlag in ihr Gesicht einfach ignoriert. Ja, ich war schockiert, als ich das gesehen habe, Papa Mensch und andere Eltern auch. Der Satz "Hast du das gerade gesehen?" war mehrfach zu hören.

Darf ein Kind seine Eltern schlagen? Eindeutig: "NEIN!" Natürlich wurde sich das Maul zerrissen und diskutiert. Sollte sie nun mit ihrem Kind direkt den Spielplatzbesuch beenden? Sollte sie ganz deutlich "Nein" sagen? Sollte sie dem Kind in Ruhe erklären, warum das (und jegliche Gewaltanwendung) nicht in Ordnung ist? Ist diese Frau gar ein Opfer häuslicher Gewalt? Ist es in der Familie üblich, geschlagen zu werden und sich nicht zu wehren? Kann die Mutter so ein Vorbild sein?

Mit vielen Fragen verlassen wir den Spielplatz, die sind nun gestellt, aber nicht geklärt. Konsequenzen? Hat unser Gerede auch nicht. Reset. Und Tschüss bis zum nächsten Mal. Dann hinterfragen wir uns selbst.

Sonntag, 19. März 2017

Frühjahrsmüdigkeit

Es gibt neue Bilder für die nächsten Posts. Auftakt war die Kaktusblüte. Nun folgt Frühlingkitsch: all die hübschen Stillleben, die man so nebenbei aufnimmt und die dann auf dem Rechner liegen ohne jemals ausgedruckt in ein Fotoalbum zu kommen. Der Hauptgrund: Uns ist nach Frühling!

Familie Mensch durfte ein paar erste Sonnenstrahlen genießen und ahnen, was Frühling ist, dann wurde es wieder kalt. Und wie sollte es anders sein - kranker Papa Mensch, kranke Kinder. Nerven liegen blank. Viel zu Hause, viel Gemecker, viel Fieber. Dieser Stimmung möchte ich mit frühlingshaftem Optimismus etwas entgegensetzen!

Die letzte Krankphase traf Familie Mensch in einer beruflich recht entspannten Phase. Aber es gibt auch Zeiten, in denen kranke Kinder und eigenes Kranksein aufgeschobene Arbeit, hohe Schreibtischstapel und damit einfach nur Druck bedeuten. Da mag es noch so tolle Ansätze wie Home Office, bezahlte Kindkranktage, Überstunden Abbummelei oder sonstwas geben. Wenn die Arbeit da ist, ist sie da und wenn ein krankes Kind weint, dann braucht es Trost. Eine klassische Zerreißprobe. Und da man kranken Menschen zum Trost auch Blumen schenkt sind wir nun bei der endgültigigen Kitsch-Legitimation. Viel Spaß damit!

Donnerstag, 9. März 2017

Kaktusblüte - Review zum Weltfrauentag



Plakate gesehen: "Riots statt Rosen". Bunte taz mit Illustrationen von Xueh Magrini Troll. Equal Care Debatte verfolgt, Beitrag ist in Vorbereitung. Papa Mensch meldet einen Kinderflohmarkt-Stand an und wird nicht ernst genommen. "Herzlichen Glückwunsch zum Weltfrauentag". "In der DDR bekamen die Frauen Blumen geschenkt". Omas Geburtstag mit  "Happy Birthday to you, Marmelade im Schuh..." durchs Telefon. Die andere Oma springt für den kranken Papa Mensch ein und kümmert sich um die Abholerei. Ein Kollege taucht mit seinem kranken Kind am Arbeitsplatz auf, weil er was Wichtiges zu erledigen hat. Viel Bloggerei zum Thema #meinTagohnemich, z.B. bei Mama Notes oder Mama arbeitet. Noch mehr Plakate gesehen: "frauen*kampftag". Ein Kita-Papa freut sich über eine Krippenzusage für seine Tochter, um nicht mehr zwischen Home Office und Gleitzeit jonglieren zu müssen. Selbst lange gearbeitet. Abends kitschiges Garten-Puzzle mit dem Mini-Menschen. Vor Müdigkeit beim Bettgebringe eingeschlafen.
Fazit: Ganz schön Papa-lastig für einen Frauentag, so isses, Equal Care-Gedöns... wir kommen!

Und bei euch so?

Dienstag, 21. Februar 2017

Gut situiert


So ähnlich berichtet von einer Freundin, arbeitend in einem sicheren, akademischen Beruf, der ihr Spaß macht, ihr Mann studierend, zeitweise auswärts, damals nur ein Kind, im Gespräch mit ihren Kolleginnen:

Kolleginnen: "Wieviel arbeitest du so?"
Sie nennt eine recht hohe Stundenzahl.
Die Kolleginnen so: "Och echt jetzt, du Arme, ist ja voll anstrengend."
Und dann noch: "Gut, dass unsere Männer so viel verdienen, da müssen wir nicht so viel arbeiten..."

Da fiel ihr einfach nur die Kinnlade runter.






Mittwoch, 25. Januar 2017

Krümeln wie bei Mutti

Das erste selbstgekaufte Spielzeug für den Mini-Menschen war: ein kleiner BESEN! Konsumtechnisch sind wir hier im Hause Mensch eher minimalistisch unterwegs (dachten wir zumindest, bevor der Weihnachtsmann uns das erste Mal heimsuchte.), holen die alte Holzeisenbahn aus dem Keller, stellen uns das Sandspielzeug auf dem Flohmarkt zusammen usw. Und dann kauften wir ausgerechnet einen Besen. Für unser Mädchen.

Richtig: Vor ca. 3 Jahren kaufte ich meinem damals gerade laufen lernenden Mädchen einen Spielzeugbesen. Da müsste doch jede ansatzweise gendersensible Person laut aufschreien.
Warum also, wenn wir uns hier selbst eher als gendersensibel einordnen würden?

Weil wir beim Essen krümeln und Papa Mensch Krümel hasst, müssen diese sofort weg. Und da Kinder in einem bestimmten Alter nachahmen, schnappte sich der Mini-Mensch damals den großen Besen, hielt ihn quer, blieb damit prompt in allen Türen hängen und bekam die ersten Wutanfälle. Zum Glück gab`s im kleinen Spielzeugladen um die Ecke ein kleineres Modell aus Holz in Blau. Und zum Glück ist dieses Modell so haltbar, dass das drei Jahre jüngere Menschlein nun damit gründlich die von mir vorher zusammengefegten Häuflein wieder in alle Richtungen zerstreuen kann.

Moment mal? Papa Mensch hasst Krümel und Mama Mensch fegt sie weg? Was wird im Hause Mensch den Kinder vorgelebt? Ganz einfach: Papa Mensch mag es noch gründlicher, der saugt lieber. Oder es soll besonders schnell gehen, dann nimmt er die Hände. Überhaupt mag Papa Mensch gerne Ordnung. Die Praxis sieht z.B. so aus:  Mama Mensch kauft ein, verwüstet die Küche, gemeinsam genießen wir das Essen und Papa Mensch beseitigt dann das Chaos. Warum? Weil wir unterschiedliche Prioritäten setzen. Oder: Ich liebe einen schönen Balkon, er liebt einen sauberen Fußboden. Es ist schön, nach Vorlieben zu teilen, nicht nach Plan.

Und heute so? Zerschnippelt der vierjährige Mini Mensch mit der Schere die Borsten des auf dem Flohmarkt erworbenen Kinder-Kehrbesens und verteilt die Borsten überall im Wohnzimmer. Aaaah! Muss der Staubsauger ran und ein pädagogisches Gespräch.
Dann lese ich noch was im Netz, bei Pinkstinks ... und merke: Oje, meine beiden Mädchen spielen mit einem Spielzeugbesen. Wie Mutti? Ich glaube nicht... und denke drüber nach. Resultat ist dieser Post.

Samstag, 14. Januar 2017

Aufreger der Woche: Wie sich Eltern bitteschön die Arbeit aufzuteilen haben

Papa Mensch im Gespräch mit einer Kollegin:

Sie: "Ach, ich dachte du arbeitest nur so ein paar Stunden und kümmerst dich um die Kinder."
Er: "Nein, ich arbeite zur Zeit ungefähr Dreiviertel."*
Sie: "Dann ist aber deine Frau zu Hause..."
Er: "Nein, die arbeitet Zweidrittel und pendelt."
Sie: "Und wer kümmert sich dann um die Kinder?"

Blabla.
Blabla.
Blubb.

Unsere Kinder sind nämlich keine Babys mehr, sie hängen nicht mehr an der Brust und gehen gerne in die Kita. Wirklich, Kita, sowas gibt es. Und Gleichberechtigung innerhalb der Familie. Irgendwie. Auch in echt.


*Edit: Geplant war eigentlich auch nur Zweidrittel und wird in Zukunft zum Glück wieder weniger.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Kitsch-Piano und Maschinengewehre oder: Die perfekte Illusion

Erst die mittägliche Weihnachtsfeier am Arbeitsplatz... Fragen darüber, ob ein lustig-umgedichtetes Weihnachtslied bei auf Halbmast gehissten Flaggen gelesen werden darf, ob wir lachen dürfen. Ja, dürfen wir, so hieß es, damit wir uns nicht das Leben kaputt machen lassen, von denen, die das wollen. Damit wir nicht mit Bitterkeit und erst recht nicht mit Hass reagieren.
Glühwein getrunken, nette Gespräche geführt. Nach viel, viel, viel, zu viel Arbeit in der letzten Zeit endlich mal raus, alleine, an ruhigen und belebten Orten nach kleinen, aber feinen Geschenken gucken. Die Innenstadt passiere ich eh auf meinem täglichen Weg, da musste ich einfach noch mal ein paar schöne Seifen auf dem Weihnachtsmarkt kaufen, bevor das abendliche Glühweingedränge startet. Es eben auch ein bisschen für mich schön haben.
Auf dem Weg dorthin in der Fußgängerzone: Ein Riesenflügel mit Lichterkette, kitschige Klaviermelodien könnten nach all dem Alltagsstress nun vollends auf das besinnliche Fest einstimmen. Daneben der Kindheitstraum: das mit beweglichen Kuscheltieren geschmückte Schaufenster eines großen Kaufhauses. Von mir damals geliebt, von unseren Kindern jetzt ebenso. Voll fantastischer Ideen. Könnte schön sein. Im Hintergrund die begehbare Weihnachtspyramide, vom Mini-Menschen noch mehr geliebt.
Vor dieser lieblichen Kulisse: Polizist_innen mit Maschinengewehren und Panzerwesten. Wirken, als würden sie den Pianisten bewachen. Skurille Welt, verkehrte Welt, Illusion des friedlichen Festes hinüber. Irgendwie bin ich gerade froh, alleine zu sein, und keine Warum-Fragen einer Vierjährigen zu beantworten.
Die Seifen liegen hier trotzdem duftend auf dem Schreibtisch und irgendwie freue ich mich darüber. Irgendwie eben. Und der vierjährige Mini-Mensch? Sie hat sich heute Abend zum Vorlesen seit sehr, sehr langer Zeit das Buch "Laster, Bagger und Traktoren" herausgesucht. Ob sie doch was mitgekriegt hat? Auf jeden Fall war sie aufgeregt: Weil morgen der ECHTE Weihnachtsmann in die Kita kommt. Und der muss sehr REICH sein, weil er so viele Geschenke kauft. Genau das ist sie: Die perfekte Illusion! Die, die mir leider allzu oft fehlt.