Mittwoch, 10. August 2016

Gendergerechte Sprache - erklärt von einem Kindergartenkind

Zu Menschen, die ich liebe, sage ich von Zeit zu Zeit "mein Schatz".

Der Mini-Mensch jedes Mal: "Ich bin kein Schatz!"
Mama Mensch: "Warum nicht? Ich hab dich doch lieb."
Mini-Mensch: "Papa ist dein Schatz. Ich bin eine Frau."
Mama Mensch: "Und was bist du dann?"
Mini-Mensch: "Ich bin eine Schätzerin."


Ich denke, meine kleine Schätzerin ist politisch sehr korrekt.


Mittwoch, 3. August 2016

Hexenbücher: Zilly, die Zauberin

Zilly ist schräg, Zilly ist anders. Zeitweise war sie die absolute Lieblingshexe. Sie ist eine Zauberin, heißt im englischen Original "Winnie the witch." Zilly hat schwarze Lippen, wildes Haar und einen richtig spitzen Hexenhut in Blau-Lila-Orange-Gelb. Sie ist in der Darstellung schon eine erwachsene Hexe, aber innerlich ein Kind. Und was für eins: Entdeckungslustig und ideenreich, trickreich und doch manchmal schusselig.



Sie wohnt in einem schwarzen Haus und hat einen schwarzen Kater: Zingaro (engl. "Wilbur"), ein Spießer, eine richtige Spaßbremse. Doch ihre Abenteuerlust siegt, Zingaro muss mit, ob er möchte oder nicht. Er stellt einen großartigen, kommentierenden Gegenpol dar und ist den Kindern mit seiner Haltung aus dem Alltag möglicherweise in Funktion der Eltern bekannt.
Bei Zillys Abenteuern geht meist etwas schief oder es kommt zu einer sehr überraschenden Wendung, die selbst für erwachsene Leser_innen außergewöhnlich erscheint und hier nicht verraten wird.

Trotz Übersetzung leben Zilly-Bücher von Onopoetika und toller Typographie. Und immer wieder kommt die Wendung: "Sie schwenkte ihren Zauberstab dreimal... (Blätter) ... Abakadabra." Herrlich... denn man weiß nie, was auf der nächsten Seite wirklich passiert oder wie das Ergebnis ihrer Zauberei nun aussieht.

Meine persönlichen Lieblingsbände sind "Zilly und der Riesenkürbis" und "Zilly im Weltraum", weil die Ideen von Valerie Owen einfach nur schräg sind. Ebenso amüsiert bin ich über kunsthistorischen  Details der Illustrationen von Korky Paul: besonders gelungen ist eine Zilly-Darstellung im Band "Zilly macht Ferien." Im Bikini steht sie wie die Venus in einer Muschel - aber eben mit wildem Haar und Stoppelbeinen, weit entfernt vom Schönheitsideal der Renaissance. Ein weiteres liebevolles Detail - vom Mini-Menschen sehr geschätzt - sind die Kinderzeichnungen auf schwarzem Papier im Einband eines jeden Buches.

Erfreut bin ich über zahlreiche Internet-Rezensionen, die trotz weiblicher Hauptfigur von kleinen männlichen Zilly-Fans berichten - offensichtlich eine Bilderbuchserie mit gender-neutraler Zielgruppe - finde ich gut! Allerdings trifft bei uns die Altersangabe 4-6 Jahre nicht ganz zu und das im Internet zahlreiche zu findende Unterrichtsmaterial erstaunt mich. Beim Mini-Menschen lag der Zilly-Zenit zwischen zweieinhalb und drei Jahren - als sie so unglaublich süß "Abedrabre" gesagt hat. Vielleicht ist das aber auch ein Zeichen für eine auch altermäßig besonders weit gefasste Zielgruppe die eigentlich von 2-8 reicht. Ich bin sehr gespannt, wann wir diese unterhaltsamen Bilderbücher dem Menschlein vorlesen werden und freue mich jetzt schon sehr darauf!

Samstag, 30. Juli 2016

Sommer, Urlaubszeit in Deutschland

Saisonal passend könnte ich nun von unseren Reiseerlebnissen berichten. Mache ich aber nicht. Ich berichte lieber von einem anderen Urlaubserlebnis im Alltag. Genau: Alltag als Urlaub erleben. Wär hätte das nicht gern? Ganz einfach: Elternzeit macht`s möglich!

Stell dir vor, du bist ein Mann und in Elternzeit. Du setzt jede Nacht ein Kindergartenkind aufs Töpfchen. Du beginnst jeden Tag mit einem Intensivbeschäftigungsprogramm mit dem Kindergartenkind, damit das Baby noch ein wenig Ruhe hat. Du machst mit Liebe Frühstück und erfährst in einem Wutanfall, dass das soeben gewünschte Honigtoast doch nicht das Richtige war. Du führst einen ähnlichen Kampf zum Thema wetterangemessene und saubere Kleidung. Da die Auswahl aus fünf verschiedenen Unterhemden doch nicht die richtige Farbe bietet, machst du also nebenbei noch eine Maschine Wäsche an. Nachdem du Schuh- und Jackenanziehhilfe geleistet hast, erntest du mächtig Ärger, weil du als erster die Tür zum Hinterhof geöffnet hast und nicht das Kind. Schnell fährst du in die Kita und zurück, musst dich beeilen, damit deine Freundin endlich zur Arbeit kann und das inzwischen angezogene und satte Baby betreut ist. Während du mit ihr die Organisation des Nachmittags besprichst, hilfst du ihr wie selbstverständlich bei der Schlüsselsuche. Du setzt dir einen Kaffee auf und würdest ihn gern warm genießen, doch das Baby braucht eine Windel. Dabei stellst du fest, dass du noch heute Feuchttücher kaufen musst, musst aber zu Hause bleiben, weil gleich - also irgendwann - ein Handwerker kommt. Als du endlich beim Kaffee sitzt, klingelt die Post und du nimmst die Internet-Bestellungen der gesamten Nachbarschaft entgegen, bist ja zu Hause, wie praktisch. Das Krabbelbaby hat indes das Bücherregal leergeräumt und entfaltet gerade die beigelegten Karten aus den Reiseführern, zeigt aber ebenso großes Interesse an dem großen Paket mit der Aufschrift "Fragile". Entertainment und Aufräumen ist gefragt. Du genießt also mit einer Holzwurst auf einen Spielküchentopf schlagend den kalten Kaffee und tauschst dich dabei mit einem anderen Elternzeitpapa telefonisch über die besten Erkältungshausmittel für Babys aus.
                                                               usw. usw. usw.
Als deine Freundin nach Hause kommt, schnappt sie sich die Kinder und geht mit ihnen eine Stunde auf den Spielplatz und in den Drogeriemarkt. Da hast du frei.
Gegen halb neun schlafen die Kinder, da möchtest du dich deinem Hobby widmen, musst aber vorher noch die Krümellandschaft unterm Abendbrottisch beseitigen, die Verabredung der großen Tochter bestätigen und die Kinderbetreuung fürs Wochenende organisieren. Nun ist es halb zehn und du hast endlich wieder Zeit für Urlaubsgefühle.

... am nächsten Tag wird es entspannter, heute darfst du mit deinen Kolleg_innen grillen. Die meisten sind nicht in Elternzeit. Du möchtest gerne bei der Verabschiedung der zukünftigen Ruheständler dabei sein, merkst aber nach etwa einer halben Stunde, dass es besser ist, gemeinsam mit deinem Baby, den anderen Babys und deren Müttern in Elternzeit die Veranstaltung vorübergehend zu verlassen.

Nun beginnt das Grillen und du wirst begrüßt: "Na, du U R L A U B E R!" Die Mütter in Elternzeit nicht, die machen ja keinen Urlaub.

Bitte noch einmal von vorne lesen. Und dann noch einmal überlegen, ob sich das mit der allgemeinen Urlaubsdefinition deckt.

Entspannter Urlaub sieht anders aus

Freitag, 1. Juli 2016

Kinderfernsehen im Kinderkrankenhaus...

... jenseits von Steuerung über Youtube, DVDs und weitere flexible Medien: Was für ein Spaß!

I proudly present: "Thomas und seine Freunde" (Tomäs - englisch gesprochen)

Tomäs ist eine blaue 3D-animierte Eisenbahn mit Kindchenschema-Gesicht. Er fährt in den Bahnhof ein, trifft dort auf die fliederfarbene Rosie (also mit rollendem, englischen "r"), eine Eisenbahn mit ebenso niedlichem Gesicht. Er macht ihr Komplimente für ihr Aussehen. Sodann bekommt er einen Spezialauftrag, den er in kindgerecht knapper und sehr klassischer Dramaturgie - Gustav Freytag hätte seine Freude - ausführt. Dabei helfen ihm sämtliche männliche Eisenbahnen und andere Baufahrzeuge. Natürlich wird alles gut. Tomäs fährt zurück in den Bahnhof und brüstet sich vor Rosie mit rollendem "r", dass er ein ach so toller Hecht sei.


Trotz der scheinbaren Einfachheit wirft diese Sendung bei der kritischen Betrachterin Fragen auf:

Wäre das Abenteuer ohne die Rahmenhandlung mit Rosie anders verlaufen?
Was hat Rosie den ganzen Tag im Bahnhof gemacht?
Hätte Rosie nicht ebenso gut bei der Lösung des Spezialauftrags mithelfen können?
Warum waren insgesamt nur männliche Freunde dabei?
Warum ist Tomäs blau und Rosie fliederfarben?
Könnte Tomäs auch Komplimente für sein Aussehen und Rosie für ihre tollen Taten bekommen?

...

... und zu guter Letzt: Was soll der Mist im Jahr 2016?

... und warum finde ich im Internet auch noch eine Menge Merchandise-Artikel wie diesen schicken Pappteller hier?

 

Sonntag, 22. Mai 2016

Ein Albtraum in Hellblau

Während wir im Kurzurlaub waren, wohnten Bekannte in unserer Wohnung. Sie hinterließen uns einen Kühlschrank voll mit Resten.

Der Mini-Mensch war begeistetert. Muss sie doch immer ihren Naturjoghurt aus dem Pfandglas mit ungezuckertem Apfelmus und Zimtzucker müslitauglich machen, entdeckte sie nun eine völlig neue Joghurt-Dimension: Zwei Viererpacks gezuckerter und aromatisierter Joghurt in Plastikbechern mit Extrem-Merchandising all over: Einmal die allseits bekannte (und in unserer Kita zum Glück noch nicht angekommene) 3D-animierte Eisprinzessin nebst Grinse-Schneemann und einmal mit personalisierten Autos.

"Guck mal, Prinzessinnen-Joghurt! Ich möchte Prinzessinnen-Joghurt essen!" waren so ziemlich die ersten Worte des Mini-Menschen nach unserer Rückkehr. Und dann: "Der Prinzessinnen-Joghurt ist für die Mädchen und der Auto-Joghurt ist für dich, Papa." Papa Mensch gab dann direkt vor, auch sehr gerne Prinzessinnen-Joghurt zu essen und ich, die Auto-Variante zu lieben.

Der Mini-Mensch war schneller am Tisch, als wir Großen unsere Taschen auspacken und den genderneutralen Apfelmus-Flocken-Brei fürs Menschlein vorbereiten konnten.

Nun saßen wir endlich alle, der Prinzessinnen-Joghurt war fast ausgelöffelt, ich ertrug irgendwie das künstliche Bananenaroma meines Auto-Joghurts und teilte mit: "Mein Joghurt schmeckt nach Banane. Und deiner?" Klare Antwort vom Mini-Menschen: "Nach Prinzessin!" Lecker!

Dienstag, 10. Mai 2016

Der arme Mann und die Powerfrau

Neulich war ich - Mama Mensch - für ein paar Tage im Krankenhaus. War eine akute Geschichte, leider recht spontan.

Nun sprechen die Ärzt_innen, die Schwestern und der eine Pfleger ja auch mal mit mir als Komplett-Mensch und nicht nur als Patientin. Alle meinten es gut mit mir. Wirklich.


"Wie lange werde ich denn voraussichtlich noch krankgeschrieben?" - "Wie? Sie arbeiten? Und nachts stillen sie noch? Dann ruhen sie sich hier mal so richtig aus."

"Das könnte auch vom Stress kommen, wenn sie arbeiten und die Kinder haben." - "Aber seitdem ich wieder arbeite, bin ich doch viel entspannter."

"Und ihr Mann muss sich jetzt alleine um zwei Kinder kümmern? Wie schafft der das denn?"

 "Wie machen sie das denn jetzt mit ihrem Baby?" - "Och, das ist schon neun Monate alt. Ich stille doch nur noch nachts, da muss sie eben ein paar mal die Flasche nehmen und ich habe ja eine Milchpumpe hier." - "Und wer betreut es tagsüber?"

"Oje, der arme Mann..."

usw. usw. usw.



Nein, ich bin keine Powerfrau, die gebremst werden muss. Eigentlich bin ich eine ziemlich faule Frau, die innerhalb ihrer Dreiviertel-Teilzeit-Stelle noch die Stillzeiten geltend macht und morgens erst aufbricht, wenn die Große schon in der Kita ist, um eine stressfreien Start in den Tag zu erleben. Eigentlich hat Papa-Mensch, der aktuell gar nicht arbeitet, die Verantwortung für die Familie. Und eigentlich fühlt es sich seit dem ersten Arbeitstag verdammt gut an, diese Verantwortung mal ein paar Stunden lang nicht zu haben.

Nein, Papa Mensch ist auch kein armer Mann. Er kriegt seine Elternzeit bezahlt. Aber es ging hier wohl nicht ums finanzielle Armsein. Nein, tatsächlich wurde er ob seiner Fürsorgepflicht bemitleidet.  Ja, ist das denn wirklich so bemitleidenswert? Ich hätte mich jedenfalls lieber gesund um meine gesunden Kinder gekümmert, als krank im Krankenhaus zu sein.

Sie meinten es wirklich gut. Sie haben nur anders gedacht, als ich denke. Sondern so gedacht, wie sie immer denken und gedacht haben und viele, viele andere es auch tun.




... kurz nach meiner Entlassung musste ich übrigens nochmal in die Klinik: Die Bescheinigung für den Arbeitgeber fehlte leider in meinen Entlassungspapieren.

Dienstag, 3. Mai 2016

Werde bunter!

Bisher ist mein Blog noch ziemlich bilderlos und soll nun - auch für die Facebook-Präsenz - bunter werden. Lange habe ich hin- und herüberlegt und auf meinem Rechner eine etwas ältere Fotoserie gefunden.
Sie zeigt das intuitive Chaos des damals etwas über ein Jahr alten Mini-Menschen. Das Chaos ist immer noch vorhanden, aber dafür mit System - wie auch immer geartet - und bringt den ordnungsliebenden Papa-Menschen regelmäßig zur Verzweiflung. (Ich glaube er räumt gerade auf, während ich hier am Schreibtisch eigentlich arbeiten müsste...)
Im Mittelpunkt steht immer eine Puppe oder Spielfigur, die durch die zufällig vorgefundene Umgebung einen neuen Kontext erhält.

Viel Spaß damit!