Samstag, 14. Januar 2017

Aufreger der Woche: Wie sich Eltern bitteschön die Arbeit aufzuteilen haben

Papa Mensch im Gespräch mit einer Kollegin:

Sie: "Ach, ich dachte du arbeitest nur so ein paar Stunden und kümmerst dich um die Kinder."
Er: "Nein, ich arbeite zur Zeit ungefähr Dreiviertel."*
Sie: "Dann ist aber deine Frau zu Hause..."
Er: "Nein, die arbeitet Zweidrittel und pendelt."
Sie: "Und wer kümmert sich dann um die Kinder?"

Blabla.
Blabla.
Blubb.

Unsere Kinder sind nämlich keine Babys mehr, sie hängen nicht mehr an der Brust und gehen gerne in die Kita. Wirklich, Kita, sowas gibt es. Und Gleichberechtigung innerhalb der Familie. Irgendwie. Auch in echt.


*Edit: Geplant war eigentlich auch nur Zweidrittel und wird in Zukunft zum Glück wieder weniger.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Kitsch-Piano und Maschinengewehre oder: Die perfekte Illusion

Erst die mittägliche Weihnachtsfeier am Arbeitsplatz... Fragen darüber, ob ein lustig-umgedichtetes Weihnachtslied bei auf Halbmast gehissten Flaggen gelesen werden darf, ob wir lachen dürfen. Ja, dürfen wir, so hieß es, damit wir uns nicht das Leben kaputt machen lassen, von denen, die das wollen. Damit wir nicht mit Bitterkeit und erst recht nicht mit Hass reagieren.
Glühwein getrunken, nette Gespräche geführt. Nach viel, viel, viel, zu viel Arbeit in der letzten Zeit endlich mal raus, alleine, an ruhigen und belebten Orten nach kleinen, aber feinen Geschenken gucken. Die Innenstadt passiere ich eh auf meinem täglichen Weg, da musste ich einfach noch mal ein paar schöne Seifen auf dem Weihnachtsmarkt kaufen, bevor das abendliche Glühweingedränge startet. Es eben auch ein bisschen für mich schön haben.
Auf dem Weg dorthin in der Fußgängerzone: Ein Riesenflügel mit Lichterkette, kitschige Klaviermelodien könnten nach all dem Alltagsstress nun vollends auf das besinnliche Fest einstimmen. Daneben der Kindheitstraum: das mit beweglichen Kuscheltieren geschmückte Schaufenster eines großen Kaufhauses. Von mir damals geliebt, von unseren Kindern jetzt ebenso. Voll fantastischer Ideen. Könnte schön sein. Im Hintergrund die begehbare Weihnachtspyramide, vom Mini-Menschen noch mehr geliebt.
Vor dieser lieblichen Kulisse: Polizist_innen mit Maschinengewehren und Panzerwesten. Wirken, als würden sie den Pianisten bewachen. Skurille Welt, verkehrte Welt, Illusion des friedlichen Festes hinüber. Irgendwie bin ich gerade froh, alleine zu sein, und keine Warum-Fragen einer Vierjährigen zu beantworten.
Die Seifen liegen hier trotzdem duftend auf dem Schreibtisch und irgendwie freue ich mich darüber. Irgendwie eben. Und der vierjährige Mini-Mensch? Sie hat sich heute Abend zum Vorlesen seit sehr, sehr langer Zeit das Buch "Laster, Bagger und Traktoren" herausgesucht. Ob sie doch was mitgekriegt hat? Auf jeden Fall war sie aufgeregt: Weil morgen der ECHTE Weihnachtsmann in die Kita kommt. Und der muss sehr REICH sein, weil er so viele Geschenke kauft. Genau das ist sie: Die perfekte Illusion! Die, die mir leider allzu oft fehlt.

Mittwoch, 30. November 2016

Alle reden über Trump, wir reden über Hofer

Alles regt sich auf, alle haben irgendwie ein ungutes Gefühl, vielleicht Angst vor dem neuen "mächtigsten Mann der Welt" und seinen Ideen. Die sozialen Medien sind voll von diesem Unmut nach der knappen Wahl von Donald Trump. Bei Heute ist Musik gab es vielleicht sinnvolle Ideen zum ganz privaten Umgang damit. Denn: Die Gefahr von Dumpfheit und Rechtspopulismus ist überall und leider viel zu nah dran.
L a s s t    u n s    l a u t   s e i n, jetzt, direkt vor der Präsidentschaftswahl in Österreich. Teilt diesen Artikel bitte massenweise: "Wie arg kann`s werden?" von Saskia Hödl am 30.11.16 in der taz. Bestimmt gibt es noch weitere informative Artikel dazu. Teilt die bitte auch.

Ich fasse kurz die Punkte zusammen, die für mich wie ein Horrorszenario klingen:
  • "In einem Interview mit dem Radiosender Ö1 sagte N.H. er wolle das Amt des Präsidenten und des Bundeskanzlers nach vorangegangener Volksentscheidung zusammenlegen." (Hatten wir hier in Deutschland schon mal im Rahmen der sogenannten "Machtergreifung". Wer in Geschichte aufgepasst hat, kennt die Folgen.)
  • "Den Vorarlberger Nachrichten sagte er im März: Wenn die Regierung bei ihrem Kurs bleibt, in der Flüchtlingsfrage, […], würde ich ein Gespräch mit ihr führen. Wenn das nicht taugt, steht am Ende die Entlassung an." (Das ist theoretisch - wenn auch nicht auf dem direkten Weg - möglich.)
  • "Der Bundespräsident ist Oberbefehlshaber des Bundesheeres." (Im Klartext: Es ist noch mehr Macht möglich, auch über die Grenzen Österreichs hinaus.)
Warum ist das so schlimm? Weil Norbert Hofer ein klarer Rechtspopulist ist, der seine Meinung öffentlich schriftlich kundgetan hat. (Leider kennen wir auch das historisch. Hat damals leider keiner wirklich gelesen, verstanden oder ernst genommen. Da frage ich mich: Wie stumpf sind die Wahlberechtigten eigentlich? Bitte n e h m t    d a s    e r n s t    u n d    w ä h l t    a n d e r s !)

... und nun ein kleiner Ausschnitt, die Familienpolitik betreffend: "Die vom feministischen Dekonstruktionsehrgeiz zur selbstverwirklichungsverpflichteten Geburtsscheinmutter umdefinierte Frau sehnt sich nach einem ganzen Kerl, der ihr alle die emotionalen und ökonomischen Sicherheiten gibt, die eine junge Mutter braucht, um sich mit weitgehend sorgloser Hingabe dem Nachwuchs zuwenden zu können." (Übersetzt in einfache Sprache: Frauen wollen gar nicht selbstbestimmt sein. Frauen wollen sich nur um die Kinder kümmern. Dafür brauchen sie den richtigen Mann. Dieser soll viel Geld verdienen. - Und dazu sage ich ganz klar in wirklich einfacher Sprache: N E I N!)


Donnerstag, 24. November 2016

Nachmittags, halb drei, im Kreißsaal...

... ist in meiner einst bevorzugten Geburtstklinik kurz nach Schichtwechsel. Und gleichzeitig die Geburtstzeit meiner beiden Kinder. Ist schon scheiße, wenn man mitten im Schichtwechsel plötzlich zum Notfall wird und alle hochmotiviert im Stile US-amerikanischer Arztserien aufspringen, um schnell das Baby zu retten, auf welchem Weg auch immer. Diese Klinik rühmt sich mit einer niedrigen Kaiserschnittrate - klar, die haben ja auch eine Saugglocke und einen Wehentropf und Hebammen, die einfach mal "Pressen, Pressen" rufen, wenn man selbst entspannt sein mag. Darüber möchte ich zum Tag der Roses Revolution aber nicht schreiben.

Ich möchte lieber darüber schreiben, dass Familie Mensch bei der zweiten Geburt einen ganz tollen Vorlauf dort hatte: mit Vorgespräch, Geburtswunschliste, Hypnobirthing, Akupunktur. Ich möchte darüber schreiben, dass diese Klinik nebenan ist und Mama Mensch in einer Wehenpause zu Fuß rübergehoppelt ist (nachts um halb drei, da finden hier standardmäßig die Blasensprünge statt). Und dass es sich toll und selbstbestimmt angefühlt hat. Wie nett die Hebamme war, die uns in der warmen Sommernacht mit einem Eis in der Hand in den Kreißsaal bat...

Und nun GEHT DAS NICHT MEHR!
Nachts werden keine Geburten mehr angenommen, dann wird man "umgeleitet", so heißt es auf der Homepage. Warum? Weil der gleiche Träger eine Klinik mit Frühchenstation am anderen Ende der Stadt verwaltet, die aus Personalgründen überlastet war. Also schickt man einfach ein paar Hebammen - die jahrelang gute Arbeit geleistet haben - dorthin und macht hier dicht, also halbdicht. Gut, könnte man meinen, Mama Mensch jammert auf hohem Niveau, Frauen auf dem Land können auch nicht zu Fuß in den Kreißsaal gehen (vor allem auf Sylt nicht), soll sie doch eine halbe Stunde fahren. Dazu noch die Vorgeschichte: Im benachbarten Stadtteil gab es eine Frauenklinik mit ähnlicher Ausstattung wie hier. Die wurde erst saniert. Dann wurde sie geschlossen, also nicht halbdicht, sondern ganz dicht. Die Frauen dort haben weiterhin Kinder bekommen und sind logischerweise hierher ausgewichen. Als das Menschlein geboren wurde, war es hier spürbar überfüllt, nebenan lief die Bohrmaschine, um ein weiteres Entbindungszimmer zu bauen - aber ohne Personalaufstockung.

Deshalb gibt es eine virtuelle Rose, die sich nicht auf irgendein Geburtserlebnis bezieht, sondern auf die derzeitigen Strukturen nicht nur in dieser Stadt, auch anderswo. Sie machen es nahezu unmöglich, ein Kind entspannt und selbstbestimmt auf die Welt zu bringen.

Die Rose wurde gezeichnet von Martina Wald. Auf eine echte Rose verzichte ich aufgrund der Produktionsbedingungen. Vielleicht wäre ein saisonal-lokaler Tannenzweig ja auch passender.

Donnerstag, 17. November 2016

Papmama ist öde




Warum ich mich nicht äußern möchte: Weil ich es weder politisch noch unpolitisch, sondern stumpf langweilig finde: Richtig, das Thema A d v e n t s k a l e n d e r. Gestern mal krankheitsbedingte Netz-Pause gehabt und schon zerreißt sich die Elternworldwidewelt das Maul darüber, ob man das nun öffentlich machen darf oder nicht.
Wer sich für Adventskalender interessiert, den oder die muss ich enttäuschen: Papmama ist öde.
Papmama wird euch niemals Backrezepte, Nähanleitungen oder Klamöttchenbilder á la "Oh wie schön sind meine Kinderlein" präsentieren. Es wird auch keine romantisierten Beiträge zum Thema Elternsein oder Kinderhaben geben. Das heißt ja nicht, dass Mama Mensch als Schreibende kein durch und durch Positiver Mensch wäre und hier und dort zum Schmunzeln anregen möchte.
Warum möchte Papmama das nicht? Würde es sonst nicht mit Followern hageln? - Weil es einzig und allein dazu da ist, einen Gegenpol zu all den "Oh wie schön ist Mamasein"-Blogs zu sein!

Ja, es gibt im Hause Mensch auch kitschige Kinderbilder, die könnten wir auch gesichtslos von hinten machen. Ja, wir könnten uns auch an irgendwelchen "Ein Tag, haste nicht gesehen, wie viele Fotos"-Aktionen beteiligen und nebenbei den Adventskalender oder sonstwas Hübsches zeigen. Wir könnten auch dagegen pöbeln, pöbeln geht immer und macht Spaß. Dafür ist Papmama aber doch zu bastelaffin. Dafür ist mir das Private nicht politisch genug.

Ich finde ich es bedenklich, dass es Hillary Clinton angeblich geschadet hat, öffentlich zu äußern, dass sie keine Kekse backt. Bedenklich finde ich auch die Produktionsbedingungen von Kleinspielzeug, (das ja nicht zwangsweise in so einen Kalender gehört). Und hier wären wir bei den wirklich wichtigen Themen.

https://aufzehenspitzen.wordpress.com/2016/11/17/bastel-anleitung-zur-politisierung/
http://mama-notes.de/adventskalender-basteln-oder-das-private-ist-politisch/
http://frauruth.de/rotwein-vielleicht/
http://dasnuf.de/bastelgate/


 usw. usw.
Weitere Links dürfen gerne ergänzt werden.

Freitag, 11. November 2016

Gendergerechte Sprache, Teil 2

Letztes Jahr beim Laternenumzug hatten wir das Pferd verpasst, woraufhin dieses Jahr aus unserer Schnecke fast eine Gepardin wurde. Und yeah: Wir schafften es. Das Pferd hatte sogar einen geflochtenen Schweif und ließ sich anfassen. Tag gerettet! Dass eine Frau mit rotem Umhang und kein männlicher St. Martin drauf saß, interessierte nicht, der Mini-Mensch hat da ein recht offenes Verständnis.
Zu Hause dann: "Mama, hatte die M a r t o r i n den Mantel schon geteilt?" Sprachbewusstsein hat sie.

Dienstag, 8. November 2016

Der Song zu "Regretting Motherhood" - Achtung: Schlechte Musik!

Vorweg: Mich nerven diese männlichen Sänger (mag sie nicht Liedermacher nennen, weil ich nicht weiß, ob sie die Lieder wirklich selber machen, wie die wirklich guten ihrer Sorte), die Sehnsuchtstexte auf immer und immer dasselbe Harmonieschema singen. Oder ist es gar dieselbe Melodie? Wenn ich im Radio Fußball höre, muss ich da durch und es ist ja ganz gut, auch bezüglich des Allgemeingeschmacks ein wenig informiert zu sein.

Aha, nun gibt es also auch einen Song zu "Regretting Motherhood". Und er nervt mich musikalisch genauso wie inhaltlich.


Zu dem Thema hatte ich mich bisher gar nicht geäußert, trotz vielfältiger medialer Diskussion. Nur soviel: Für mich bedeutet das "Leben im Konjunktiv" - woher weiß ich denn, dass es mir ohne Kinder besser ginge? Das mein Leben so spektulär anders wäre? Es handelt sich meiner Ansicht nach um rein hypothetisches Jammern - oder meinetwegen auch Bereuen.

Eine kinderlose Singlefreundin (ja, eine der besten - sowas kann man auch mit Kindern haben und es tut gut!) sieht das anders. Sie sagt, es sei toll, dass öffentlich nun endlich mal auf den Tisch käme, dass mit Kindern eben nicht alles super sei und würde sie und andere von diesem gesellschaftlichen "bis Mitte 30 musst du Kinder und Familie haben"-Zwang befreien. Vielleicht hinterfragt der Song ja tatsächlich den bedingslosen Wunsch nach Familie uns setzt neue Denkwege bei jungen Frauen und Mädchen in Bewegung?

Fuckermothers kritisiert (zurecht) aus feministischer Sicht, dass es nur um Mütter geht. Aber keine Sorge, zum Konzept "Regretting Fatherhood" gibt es auch einen Song - und der ist musikalisch nicht unbedingt schöner.



(Edit: Bin mir nicht sicher, ob es das Original ist, einfach zu viel gecovert, der Song. Spielt auch hier keine Rolle.)
Schlagerspaß bei Seite: Natürlich ist diese Perspektive auch Mist. Projiziert sie doch den Sehnsuchtsgedanken einzig auf den männlichen Part der Eltern und legitimiert ihn damit - jahrzehntelang auf Partys gegröhlt - eben nicht automatisch bei Müttern.

... und nochwas: Mein Traum ist es übrigens nicht, barfuss auf Großstadtstraßen rumzulaufen. Und dass ich mit Kindern urlaubstechnisch nicht mehr als eine Woche (oder zwei) Sandstrand machen kann, ist auch ein Gerücht bzw. ein gesellschaftlicher Irrglaube.